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Kommunionkatechese verlangsamen und qualitativ intensivieren!

Teil 1

von Prof. Albert Biesinger

Kinder brauchen Zukunft. Unsere Gesellschaft erkennt endlich, dass Kinder mehr kompetente Zuwendung brauchen. Unsere Kirche sollte nicht den Fehler machen, die Zuwendung für Kinder „zeitlich überschaubar“ zurückzufahren. Kinder brauchen – dies ist über neuere Ergebnisse aus der Gehirnforschung belegbar – sich wiederholende Rituale, eine Verlangsamung des Lernens, und nicht zuletzt Zeit, Zeit, Zeit …

Mit den Studierenden an der Tübinger Fakultät diskutieren wir Ergebnisse der Gehirnforschung für religiöses Lernen. Langfristige, sich wiederholend ritualisierende religiöse Kommunikation führt am ehesten zu Bindungen an Gott und die Gemeinde; und selbst dann ist es immer noch schwierig genug. Aber ohne diesen Weg hat man es noch nicht einmal probiert.

Insofern Erstkommunionkatechese die Erschließung der Beziehung zu Jesus Christus anstrebt, ist es wie bei anderen Beziehungen auch. Ein Schnellkurs von wenigen Einheiten ist keine zukunftsfähige Konzeption. Beziehung aufnehmen, Beziehung pflegen und vertiefen – das braucht Zeit; nicht nur im zwischenmenschlichen, sondern auch im religiösen Bereich. Gemeinschaft – Kommunion – mit Jesu Christus und mit den Schwestern und Brüdern im Glauben, braucht Zeit, um zu keimen, zu wachsen und zu reifen. Insofern Gemeindeaufbau und Gemeinschaftsstiftung ein elementarer Kern von Kommunionkatechese ist, kann die Zeitschiene einer Katechese nicht beliebig verkürzt werden; die Gratwanderung zwischen Elementarisierung in der Katechese und „katechetischer Schnellbleiche“, die eben nicht langfristige Beziehung einzustiften vermag, kann bisweilen schwierig sein. Überregional, aber auch innerhalb unserer Diözese, entdecke ich bisweilen Resignation im Blick auf die Erstkommunionkatechese.

Aufgrund anonymer werdender Strukturen in unseren Gemeinden wird in zeitlich überschaubaren Wegen Entlastung gesucht und die Zahl der Kindertreffen auf wenige Einheiten - manchmal nur noch acht - reduziert.

Dabei kommen in unserer multireligiösen Gesellschaft auf Kommunionkinder völlig neue Fragestellungen zu. Eine Mutter berichtete im Januar 2007 bei unserem monatlichen Elterntreffen in der Domgemeinde St. Martin: Der türkische Klassenkamerad Mustafa sagte zu ihrem Erstkommunionkind Miriam auf dem Heimweg von der Schule: „Der Gott kann doch keinen Sohn haben. Das mit Bethlehem ist alles Lüge.“ Miriam besprach diese Frage mit ihrer Mutter, die sie dann umgehend beim Elterntreffen mit uns diskutierte - von dreißig Erstkommunioneltern waren zwanzig Eltern präsent, fünf hatten sich vorher telefonisch entschuldigt.
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