Feierlich soll es sein. Schick sollen sie aussehen. Je näher der große Tag der Erstkommunion rückt, desto drängender stellt sich die Frage nach dem richtigen Outfit für das Kommunionkind. Wie sieht ein zeitgemäßes Kommunionkleid aus? Welche Funktionen hat überhaupt Kommunionkleidung? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Siglinde Zisler, ehem. Leiterin der Deutschen Meisterschule für Mode in München (MfM).
Es gibt heute viele Möglichkeiten, Erstkommunionkinder zu kleiden. Worauf sollte man grundsätzlich achten?
Alle Kinder, die ich kenne, sind lebhaft, und die Kleidung muss das aushalten können. Die Kinder müssen sich in der Kleidung normal bewegen können. Außerdem ist die Erstkommunion etwas anderes als eine Firmung oder Konfirmation. Man ist ja noch Kind und wird in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen, bleibt aber noch im Kindstadium. Deshalb sollte man die Kinder als Kinder sehen, nicht als kleine Erwachsene.
Kleidung ist immer auch Geschmackssache. Was sieht Ihrer Meinung nach gut aus?
Einfache Kleidung sieht am besten aus. Ich muss nicht ein Kleid aus Seide mit Spitze usw. nehmen. In Bayern ist es für mich ganz wichtig, dass ein Mädchen auch in einem einfachen Dirndl gehen kann.
Bei den Jungen?
Für einen kleinen Jungen ist ein kleiner Anzug schon wirklich entsprechend. Es muss nicht dunkelblau sein, einen blauen Blazer und eine dunkle Hose kann ich mir auch vorstellen. Oder eben mit der Mode gehen: da ist gerade Samt angesagt - also ein Samtanzug, aber eher in einer Farbe wie Braun, damit es zum Kind und zum Alter passt.
Ist es heute noch zeitgemäß, Fliegen oder Krawatten zu tragen?
Ich bin der Überzeugung, dass das Hemd darunter auch mit offenem Kragen getragen werden kann. Ich weiß auch, dass viele kleine Jungen auch den Wunsch nach der ersten Krawatte haben; das ist auch legitim.
Thema Schuhe. Was gibt es da zu beachten?
Die Schuhe müssen zum Gesamtoutfit passen. Bei einem Mädchen mit einem weißen Kleid müssen es natürlich auch weiße Schuhe sein. Ich hab' das Thema gerade für vier Kinder hinter mir. Wir haben lange gesucht und preiswerte weiße Stoffschuhe gefunden. Beim Jungen eher dunkle Schuhe, und keine Turnschuhe.
Bei den Mädchen gibt es meistens noch Kopfschmuck...
Da würde ich eine geflochtene Frisur empfehlen - vor allem zur Tracht - und dazu einen Kranz aus Bruch- und Schleierkraut. Noch drei kleine Röschen rein und sie haben das schönste Kränzchen überhaupt. Etwas Künstliches sollte man auf keinen Fall nehmen.
Sie sind Leiterin der Modeschule - da wird auch genäht. Würden Sie Eltern empfehlen, Kommunionkleidung selbst zu nähen?
Jeder, der ein bisschen nähen kann, kann auch ein Kommunionkleid für ein Kind nähen. Man hat ja Kleidungsstücke, die dem Kind passen - man kann den Schnitt mit Hilfe von Papier von dem Kleidungsstück abnehmen oder auch Papier-Schnitte direkt an das Kind anhalten. Dann hat man schon ein individuell passendes Kleidungsstück. Es gibt aber auch gute Möglichkeiten, etwas zu kaufen.
Nehmen wir an, ich möchte lieber selbst nähen. Womit fange ich an?
Ich würde auf eine kindgerechte Materialauswahl bei den Kleidungsstücken achten und einen einfachen Stoff wählen: Baumwolle oder Leinen, tendenziell eher Baumwolle. Es gibt vielfältige Variationsmöglichkeiten. Man kann bewusst daran denken, dass das Kleid auch später noch getragen werden kann.
Wie könnte dann ein Kommunionkleid für ein Mädchen aussehen?
Ich stelle mir ein schlichtes kindliches Kleid vor mit glattem Oberteil. Kleiner Kragen, Puffärmel, in der Taille angeseihter Rock, breiter Saum und über dem Saum nochmal kleine Fältchen.
In manchen Pfarrgemeinden gibt es keine klassische Kommunionkleidung - die Kinder gehen in Kutten oder Ministrantengewändern zur Ersten Heiligen Kommunion. Finden Sie das sinnvoll?
Kutten finde ich schon positiv, weil der Druck für die Eltern wegfällt und viel Geld gespart wird. Aber besser finde ich individuelle Kommunionkleidung, sonst geht die Individualität und die Besonderheit verloren. Das Empfinden des Kindes soll ja sein "Gott sieht mich", und wenn alle gleich aussehen, ist die Empfindung von einem Kind "Gott sieht auch mich". Und für ein Kind ist der philosophische Gedanke "Gott sieht in meine Seele" zu hoch - ein Kind braucht schon Äußerlichkeiten.